Verteidigung gegen die dunklen Künste, Lektion 2: Selbstverteidigung leicht gemacht

****German version of this post.****

In dieser Woche habe ich eine dringende Bitte: probiert selbst ein bisschen Verteidigung gegen die dunklen Künste aus.

Ich erkläre auch wie. Ich verspreche, es wird einfach, schnell und schmerzhaft und man wird dadurch sofort viel schwieriger angreifbar – sei es nun durch massive Überwachung oder Werbung.

Sich gegen Massenausspähung zur Wehr zu setzen scheint schwierig, ich weiß.

Es scheint sogar so unmöglich, dass viele Internetnutzer lieber gar nicht erst darüber nachdenken. „Natürlich überwacht uns die NSA, war ja eh klar. Wieso die Aufregung?“ – wie oft habe ich diese Aussagen schon gehört?

Aber wenn wir alle nur ein kleines Bisschen tun, wenn wir alle unseren eigenen kleinen Bereich des Internets zurücksetzen, dann können wir uns gemeinsam eben doch wehren.

Weder die NSA, noch das GCHQ, der BND oder Werbeagenturen sollten wir erlauben, einfach alles über unsere Leben herauszufinden – nur, weil sie es können. Ihr würdet euch ja auch nicht einfach nackt fotografieren lassen und dann dem Fotografen die Recht an dem Foto geben, oder?

Ich habe ein paar winzige Schritte ausprobiert und gesammelt, die sogar die technisch un-versierteste Person (wie ich) unternehmen kann, um ein bisschen Privatsphäre online zurück zu gewinnen. Ich bitte, nein, ich beschwöre euch, mitzumachen.

Ihr braucht nicht einmal den kompletten Post zu lesen. Wenn ihr mir vertraut (was man im Internet eigentlich nie tun sollte, aber gut), dann lest eben nur die kursiven, fettgedruckten Teile, folgt den Links und tut das, wozu ihr dort aufgefordert werdet.

Natürlich wäre es mir lieber, ihr würdet den Post lesen, da er erklärt, was einige der Anwendungen, die ich euch empfehle, genau tun.

Aber wenn ihr das Meiste überspringen wollt, bin ich nicht böse, solange ihr nur mir – und euch selbst – einen Gefallen tut: macht was drinsteht. Macht es jetzt gleich!

 

Kurz etwas zum Tracking

Die meisten von uns wissen es schon längst:

Es ist kein Geheimnis, dass Amazon, Facebook und Google überwachen, was ihre Nutzer online tun und ihnen dann speziell zugeschnittene Werbung auf Basis der so gesammelten Daten anzeigen… Tracking, Nutzerverfolgung, gibt es im Internet mittlerweile fast überall und oft werden die Daten in detaillierten Profilen gesammelt, die auch Informationen aus öffentlichen Aufzeichnungen und anderen Quellen beinhalten können (frei übersetzt, Link auf Englisch).

Facebook allein hat mehr als 200 Tracker, die die Internet-Aktivität jedes Nutzers beobachten (frei übersetzt, Link auf Englisch).

Ebenso wird, wann immer man eine gewöhnliche Suchmaschine verwendet, die Suche aufgezeichnet. Suchmaschinen wie Google halten fest, wonach man sucht, wann man es sucht, sowie die Links, die man anklickt – das Ganze wird dann in einer riesigen Datenbank gespeichert (frei übersetzt, Link auf Englisch).

Diese Suchabfragen geben schockierend umfassende persönliche Informationen über den Nutzer preis, wie etwa Interessen, Familienstand, Krankheiten und vieles mehr.

Daher auch die manchmal geradezu gruselig wirkende Genauigkeit mit der das Internet uns Werbung vor die Nase setzt.

Hier gibt es weitere Informationen dazu.

Und dann ist da noch die NSA, die die Datenzentren von Google und anderen Anbietern infiltriert hat und von dort in großem Umfang Daten abgreift (Link auf Englisch). Glenn Greenwald erinnert in seinem Buch No Place To Hide einmal mehr daran, dass die NSA genau die Art von Daten speichert, die Suchmaschinen in grossem Umfang sammeln – und daran, dass die NSA diese Daten nutzt – nicht nur gegen Terroristen.

Glücklicherweise gibt es einige – sehr simple – Dinge, die jeder von uns tun kann um unsere Privatsphäre im Internet zu schützen.

Finger weg von Google!

Google ist bei Weitem nicht die einzige Suchmaschine im Internet. Man kann alternative Suchmaschinen verwenden, die nicht jeden Schritt, den man tut, aufzeichnen.

Ich persönlich nutze Ixquick.

Ixquick durchsucht Google, ohne dabei Google wissen zu lassen, von dem die Suchabfrage genau kommt. Stattdessen erfährt Google lediglich, dass eine Suchanfrage über den Ixquick Server gestellt wird, kann aber die Suche nicht bis zum Endnutzer zurück verfolgen

Anders als Google, löscht Ixquick alle identifizierbaren Informationen. Ixquick benutzt keine Cookies, löscht sofort IP Adressen und speichert die ausgeführten Suchanfragen nicht ab (Link auf Englisch).

Ixquick bietet ausserdem,

eine Bilder- sowie eine Videosuche, außerdem gibt es eine Telefonbuchsuche. Der Zugriff auf die Seite findet dank SSL-Protokoll verschlüsselt statt. Sämtliche Funktionen liefen in unseren Kurztest reibungslos. Wem die Sicherheit der eigenen Daten wichtig ist, sollte auf Ixquick umsteigen.

Natürlich bekommt man bei Ixquick nicht die persönlich zugeschnittenen Resultate von Google (die durch die ganze Nutzerverfolgung schon vorsortiert sind), aber das ist wohl eine minimale Unannehmlichkeit.

Hier gibt es noch ein paar Infos zu Google und Alternativen.

 

Überall HTTPS!

Ich war ja bereits in meinem Post vom 27. April darauf eingegangen, weshalb ich weitreichende Verschlüsselung im Internet mit HTTPS für eine gute Idee halte, schon allein weil „weitverbreitete SSL/TSL Verschlüsselung Massenüberwachung im Stile der NSA wesentlich schwieriger und kostenungünstiger werden ließe.“

Leider unterstützen noch nicht alle Webseiten HTTPS und wenn sie es doch tun, machen sie die Nutzung manchmal unnötig schwierig, indem sie zum Beispiel standardmäßig unverschlüsselte HTTP Verbindungen benutzen oder verschlüsselte Seiten mit Links zu unverschlüsselten Seiten füllen (Link auf Englisch).

Die schlechte Nachricht ist, dass man als Nutzer wenig machen kann, wenn Webseiten HTTPS nicht unterstützen.

Die gute Nachricht ist, dass wenn Webseiten HTTPS verwenden und die Sache nur unnötig erschweren, es dafür eine recht einfache Lösung gibt. Diese heißt HTTPS Everywhere und man findet sie hier.

Es handelt sich dabei um eine Browser-Erweiterung, die man leicht herunterladen und installieren kann – der Link führt zur Electronic Frontier Foundation und ist vertrauenswürdig. Die EFF ist beim Protest gegen NSA Massenüberwachung ganz vorne mit dabei (Link auf Englisch).

HTTPS Everywhere zwingt Seiten, die HTTPS verwenden, alle Daten durch sichere Verbindungen zu leiten und schützt sie so vor Schnüfflern. Momentan unterstützt die Erweiterung circa 1,400 Webseiten und ist, wenn zwar noch keine perfekte Lösung, so doch zumindest etwas, das sich sehr einfach verwenden lässt. Somit eigentlich ein Muss (Link auf Englisch).

 

Ghostery – sehen, wer einen beobachtet und sie daran hindern

 

Ghostery ist wohl mein neues Lieblingsspielzeug –hauptsächlich wegen des kleinen blauen Gespensts, dass mich jetzt beruhigend aus meiner Browserleiste angrinst, als wollte es mir versichern, dass es mich schon vor den Bösewichten schützen wird.

Und das hier kann der kleine Geist:

Ghostery blockiert Cookes und Skripte, die normalerweise standardmäßig laufen würden. Es zeigt zudem an, was es geblockt hat und ob die geblockten Anwendungen harmlos sind oder nicht (link auf Englisch).

Ghostery ist sehr einfach anzuwenden und zu installieren – es ist aber wichtig, dass man die GhostRank Funktion abwabwählt!

Eine Alternative zu Ghostery ist Disconnect.

 

Eimer für alle! Feuerlöscher im Internet!

Wie man also sieht, ist Selbstschutz im Internet gar nicht so kompliziert und man kann so den Voldemorts, Demetoren und Todessern das Leben um einiges schwerer machen.

Man kann gar nicht oft genug sagen, wie wichtig das ist!

Wenn die NSA “die Zukunft des Internets in Brand gesteckt hat” (Link auf Englisch), dann können wir so alle etwas dazu beitragen, das Feuer wieder zu löschen.

Ich möchte an dieser Stelle auch auf die Reset the Net Kampagne am 5. Juni – dem ersten Jubiläum der Snowden Veröffentlichungen – hinweisen.

Wir alle können – und sollten – etwas tun.

Also, Eimer gefüllt und auf in den Kampf gegen die Massenüberwachung!

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